Traum vom 23./24. Juli 1895

Eine große Halle-viele Gäste, die wir empfangen.-Unter ihnen Irma, die ich sofort beiseite nehme, um gleichsam ihrem Brief zu beantworten, ihr Vorwürfe zu machen, daß sie die "Lösung" noch nicht akzeptiert. Ich sage ihr: Wenn du noch Schmerzen hast, so ist es wirklich nur deine Schuld.-Sie antwortet: Wenn du wüßtest, was ich für Schmerzen jetzt habe im Hals, Magen und Leib, es schnürt mich zusammen.-Ich eschrecke und sehe sie an. Sie sieht bleich und gedunsen aus; ich denke, am Ende übersehe ich da doch etwas Organiches. Ich nehme sie zum Fenster und schau ihr in den Hals. Dabei zeigt sie etwas Sträuben wie die Frauen, die in künstliches Gebiß tragen. Ich denke mir, sie hat es doch nicht nötig.-Der Mund geht dann auch gut auf, und ich finde rechtseinen großen Fleck, und anderwärts sehe ich an merkwürdigen krausen Gebilden, die offenbar den Nasenmuscheln nachgebildet sind, ausgedehnte weißgraue Schorfe.-Ich rufe schnell Dr. M. hinzu, der die Untersuchung widerholt und bestätigt... Dr. M. sieht ganz anders aus als sonst; er ist sehr bleich, hinkt, ist am Kinn bartlos... Mein Freund Otto steht jetzt auch neben ihr, und Freund Leopold perkutiert sie über dem Leibchen und sagt: Sie hat eine Dämpfung links unten, weit auch auf eine infiltrierte Hautpartie an der linken Schulter hin (was ich trotz des Kleides wie er spüre)... M. sagt: Kein Zweifel, es ist eine Infektion, aber es macht nichts; es wird noch Dysenterie hinzukommen und das Gift sich ausscheiden... Wir wissen auch unmittelbar, woher die Infektion rührt. Freund Otto hat ihr unlängst, als sie sich unwohl fühlte, eine Injektion gegeben mit einem Propylpräparat, Propylen... Propionsäure... Trimethylamin (dessen Formel ich fettgedruckt vor mir sehe)... ` Man macht solche Injektionen nicht so leichfertig... Wahrscheinlich war auch die Spritze nicht rein.