Freud: Präparation meines eigenen Untergestells
Der alte Brücke muß mir irgendeine Aufgabe gestellt
haben; sonderbar genug bezieht sie sich auf Präparation meines
eigenen Untergestells, Becken und Beine, das ich vor mir sehe
wie im Seziersaal, doch ohne den Mangel am Körper zu spüren,
auch ohne Spur von Grauen. Louise N. steht dabei und macht die
Arbeit mit mir. Das Becken ist ausgeweidet, man sieht bald die
obere, bald die untere Ansicht desselben, was sich vermengt. Dicke,
fleischrote Knollen (bei denen ich noch im Traume an Hämorrhoiden
denke) sind zu sehen. Auch mußte etwas sorgfältig ausgeklaubt
werden, was darüber lag und zerknülltem Silberpapier
glich. Dann war ich wieder im Besitz meiner Beine und machte
einen Weg durch die Stadt, nahm aber (aus Müdigkeit) einen
Wagen. Der Wagen fuhr zu meinem Erstaunen in ein Haustor hinein,
das sich öffnete und ihn durch einen Gang passieren ließ,
der am Ende abgeknickt, schließlich weiter ins Freie führte.
Schließlich wanderte ich mit einem alpinen Führer,
der meine Sachen trug, durch wechselnde Landschaften. Auf einer
Strecke trug er mich mit Rücksicht auf meine müden Beine.
Der Boden war sumpfig; wir gingen am Rand hin; Leute saßen
am Boden, ein Mädchen unter ihnen, wie Indianer oder Zigeuner.
Vorher hatte ich auf dem schlüpfrigen Boden mich selbst weiter
bewegt unter steter Verwunderung, daß ich es nach der Präparation
so gut kann. Endlich kamen wir zu einem kleinen Holzhaus, das
in ein offenes Fenster ausging. Dort setzte mich der Führer
ab und legte zwei bereit stehende Holzbretter auf das Fensterbrett,
um so den Abgrund zu überbrücken, der vom Fenster aus
zu überschreiten war. Ich bekam jetzt wirklich Angst für
meine Beine. Anstatt des erwarteten
Überganges sah ich aber zwei erwachsene Männer auf Holzbanken
liegen, die an den Wänden der Hütte waren, und wie zwei
Kinder schlafend neben ihnen. Als ob nicht die Bretter, sondern
die Kinder den Übergang ermöglichen sollten. Ich erwache
mit Gedankenschreck.
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